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Diagnose-Algorithmen Gynäkologie

Diagnose-Algorithmen Gynäkologie

Amenorrhoe

Klinik: Ausbleiben der Menstruation bis zum 16. Geburtstag (primäre Amenorrhoe) bzw. mehr als 3 – 6 Monate bei etabliertem Zyklus (sekundäre Amenorrhoe)

Diagnostik (1 x Serum): Nach Ausschluss einer Schwangerschaft und Ausschluss organischer Ursachen, Erhebung eines basalen Hormonstatus: LH, FSH, E2, Prolaktin, Testosteron, Androstendion, DHEAS, TSH basal

Androgenisierung

Häufigste Ursache eines Androgenüberschusses sind das polycystische Ovarsyndrom (PCO), seltener das adrenogenitale Syndrom oder androgenproduzierende Tumore.

Klinik: Zu den Androgenisierungserscheinungen zählen Hirsutismus, Akne, Alopecie und Seborrhoe. Auch bei normwertigen Androgenspiegeln im Serum ist eine vermehrte Empfindlichkeit gegenüber Androgenen auf Rezeptorebene möglich.

Diagnostik (allgemein 1 x Serum): Testosteron, Androstendion, DHEAS, SHBG (freier Androgenindex), 17-OH-Progesteron (Screening auf late onset AGS), TSH basal.

Verdacht auf PCO-Syndrom (1 x Serum, 1 x NaF): LH, FSH (LH-/FSH-Quotient zu Zyklusbeginn oft erhöht), Testosteron, DHEAS, Androstendion, SHBG (verminderte Werte können auf eine begleitende Insulinresistenz hinweisen), HOMA-Index (berechnet aus Nüchtern-BZ und Insulinspiegel) als Marker für eine Insulinresistenz.

Verdacht auf Late onset AGS (21-Hydroxylase-Defizit) (jeweils 1 x Serum basal und nach Stimulation): 17-OH-Progesteron und Corstiol im ACTH-Stimulationstest (basal und 60 Minuten nach i.v. Injektion von 25IE ACTH (1 Ampulle Synacthen)). Bei einem auffälligen Ergebnis ist ggf. eine weitere molekulargenetische Abklärung sinnvoll.

(Bei V.a. seltenere AGS-Formen wie 11-Hydroxylase-Defekt und 3ß-Hydroxysteroid-Dehydrogenase-Defekt ggf. auch Bestimmung von 11-Desoxycortisol, 11-Desoxycorticosteron, Pregnenolon und 17-OH-Pregnenolon)

Blutabnahme jeweils möglichst zu Zyklusbeginn (3. – 5. Zyklustag).

Hyperprolaktinämie

Klinik: Galaktorrhoe, sekundärer Hypogonadismus mit Zyklusstörungen bis hin zur Oligo-/Amenorrhoe, verminderte Libido, ggf. auch lokale Symptome wie Kopfschmerzen oder Gesichtsfeldausfälle durch die Tumorausdehnung bei Prolaktinom.

Diagnostik (1 x Serum): Kontrolle des Prolaktinspiegels in möglichst stressfreier Situation. Ausschluss einer Hypothyreose durch Bestimmung von TSH basal. Medikamentenanamnese (erhöhte Prolaktinspiegel können als Nebenwirkung bei der Einnahme einer Vielzahl von Medikamenten auftreten, insbesondere Neuroleptika, aber auch z. B. Schlafmittel, Antidepressiva, Antihypertonika).

Kontrolle der Androgenspiegel zum Ausschluss einer Begleithyperprolaktinämie bei Hyperandrogenämie. Ggf. bildgebende Diagnostik zum Ausschluss eines Prolaktinoms.

Sterilität

(jeweils 1 x Serum)

Erhebung eines basalen Hormonstatus zu Zyklusbeginn (LH, FSH, E2, Prolaktin, Testosteron, Androstendion, DHEAS, TSH basal).

Durchführung eines Zyklusmonitorings mit Überwachung der Follikelreifung mit präovulatorischer Kontrolle von LH und E2 ab ca. 10. – 12. Zyklustag in Kombination mit einer Follikulometrie.

Überwachung der Lutealphase mit Bestimmung von Progesteron und Östradiol am ca. 6./7. postovulatorischen Tag.

Klimakterium/Menopause

Klinik: In der Peri-/Postmenopause kommt es zu einem kontinuierlichen Abfall zunächst der Progesteronproduktion und insbesondere auch der Östrogenproduktion, wodurch typische klimakterische Symptome wie Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Schlaflosigkeit etc. ausgelöst werden können.

Diagnostik (jeweils 1 x Serum): Überprüfung der Ovarfunktion mit Bestimmung von FSH und Östradiol (bei erhaltenem Zyklus in der frühen Follikelphase, 3. – 5. Zyklustag). Insbesondere bei unauffälligen Werten lässt die ergänzende Bestimmung von AMH eine Einschätzung der ovariellen Reserve zu. Zur Klärung, ob ein ovulatorischer Zyklus vorliegt und ggf. zur Beurteilung der Lutealphasenqualität Kontrolle von Progesteron und Östradiol in Lutealphasenmitte.

Substitutionstherapie in der Menopause

(1 x Serum)

Kontrolle von FSH, Östradiol und Östron zur Beurteilung des Substitutionseffektes

Schilddrüsendysfunktion

Klinik: Die Schilddrüsenhormone haben Einfluss auf verschiedene Organsysteme und Funktionen wie zum Beispiel Herz, Knochen, Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel, endokrines System etc. Bei Hormonüberschuss (Hyperthyreose) sind u. a. Tachykardie, Gewichtsverlust, Diarrhoe, Hyperreflexie zu nennen, bei Hormonmangel (Hyperthyreose) kann es zum Beispiel zu Bradycardie, Kälteüberempfindlichkeit, Obstipation, Müdigkeit und Hypercholesterinämie kommen.

Diagnostik (1 x Serum): Kontrolle von TSH basal sowie gegebenenfalls von FT3 und FT4. Bei Verdacht auf Autoimmunthyreoiditis Bestimmung der Schilddrüsenautoantikörper Anti-TPO und TRAK