Nach aktuellen Angaben der griechischen Gesundheitsbehörde EODY wurden bis zum 19. August 2026 insgesamt 157 im Land erworbene Fälle gemeldet, zudem wurden 13 Todesfälle registriert. Besonders betroffen ist die Region Attika um Athen. Alle Verstorbenen waren älter als 65 Jahre und hatten die schwere Verlaufsform mit Beteiligung des Gehirns entwickelt.
Angesichts der Reisetätigkeit in der Hochsaison wird bei Reiserückkehrenden aus betroffenen Regionen besondere Aufmerksamkeit empfohlen: Bei Fieber und/oder neurologischer Symptomatik sollte West-Nil-Fieber differenzialdiagnostisch berücksichtigt werden.
Das West-Nil-Virus (WNV) wird den Flaviviren zugeordnet und ist eine in vielen Regionen der Welt vorkommende Zoonose. Wildvögel sind das Reservoir, als Vektor fungieren verschiedene Mückenarten. Die Tigermücke ist hierbei ein häufiger Überträger, aber auch Culex-Mücken, die in Deutschland sehr verbreitet sind, können das Virus übertragen.
Epidemiologie
Bereits Ende der 1960er Jahre ist das WNV im europäischen Mittelmeerraum angekommen. Regelmäßig werden Krankheitsfälle aus Südeuropa (Südfrankreich, Italien, Griechenland etc.) und dem südlichen Mitteleuropa (Ungarn, Österreich, Slowakei) gemeldet. Das Virus breitet sich weiter Richtung Norden aus und hat seit dem Spätsommer 2019 auch Deutschland erreicht.
Zeigten sich in den letzten Jahren viele Nachweise bei Vögeln, insbesondere bei Zugvögeln, waren Berichte von Infektionen bei Menschen eher Einzelfälle und meist importierte Infektionen. Nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) werden besonders im Spätsommer und Frühherbst seit 2020 zwischen 4 und 35 autochthone Infektionen registriert. Die Mehrzahl der betroffenen Menschen lebt in Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Einzelfälle wurden auch aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen gemeldet.
Das WNV zirkuliert in Deutschland zwischen Vögeln und Stechmücken. Die Übertragung auf den Menschen, eigentlich ein Fehlwirt, erfolgt über die deutschlandweit verbreiteten Culex-Mücken.
Symptomatik
Die Inkubationszeit beträgt 2 bis 14 Tage. Die meisten Infektionen verlaufen klinisch inapparent (80 Prozent). Nur 1 Prozent der Patientinnen und Patienten erkranken an der neuroinvasiven Form, bei der die Letalität mit 5 bis 10 Prozent angegeben wird. Ca. 20 Prozent zeigen eine milde, grippeähnliche Symptomatik, die 3 bis 6 Tage anhält. Klassischerweise ist der Krankheitsbeginn abrupt.
Folgende Symptome können auftreten:
- Fieber (biphasisch) – häufig
- Kopfschmerzen – häufig
- Abgeschlagenheit – häufig
- Lymphknotenschwellungen – häufig
- Blasses, makulopapulöses Exanthem (ca. 50 Prozent), beginnend am Stamm mit Ausbreitung auf Kopf und Extremitäten
Neuroinvasive Form: Meningitis/Enzephalitis, bei einem Prozent mit schwerer Symptomatik, z. B.
- Ataxie
- Lähmungen
- Epilepsie
- Hirnnervenausfälle
- Optikusneuritis
Diagnostik
Für die Akut-Diagnostik steht eine RT-PCR zur Verfügung. Als Materialien eignen sich Liquor und Blut (EDTA-Blut, Serum). Antikörperbestimmungen (Serum) sind ebenfalls möglich. Hier ist zu beachten, dass Antikörper erst mehrere Tage nach Symptombeginn nachweisbar werden.
Prävention
Eine kausale Therapie ist bislang nicht etabliert. Daher kommt der Prävention eine entscheidende Bedeutung zu. Eine Impfung ist bisher nur in der Veterinärmedizin bekannt.
Zu Präventionsmaßnahmen zählen:
- Persönlicher Mückenschutz (Repellentien etc.)
- Vektor-Kontrolle (Bekämpfung der Mücken)
- Ggf. Screening von Blutspendern (bei weiterer Verbreitung)
Für weitere Informationen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung:
Dr. med. Falitsa Mandraka, MME
Fachärztin für Innere Medizin und Infektiologie
Fachärztin für Innere Medizin
E-Mail: f.mandraka(at)wisplinghoff.de
Dr. med. Martin Platten
Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie
Facharzt für Innere Medizin
E-Mail: m.platten(at)wisplinghoff.de
Dr. med. Roger Grosser
Facharzt für Laboratoriumsmedizin
Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie
E-Mail: r.grosser(at)wisplinghoff.de