News

Internationaler Tag der Frauengesundheit: Vorsorgeuntersuchungen für Frauen „50 plus“

Viele Frauen bemerken bereits zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr körperliche Veränderungen infolge der nachlassenden ovariellen Funktion. Insbesondere Schwankungen des Östrogenspiegels können in der Perimenopause zu Beschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen und Schweißausbrüchen führen.

In der anfänglichen Übergangszeit kommt es immer seltener zum Eisprung, die Regelblutung wird unregelmäßig und bleibt schließlich ganz aus. Mit dem letzten Menstruationszyklus endet die fruchtbare Lebensphase von Frauen (Menopause).

Der Zeitraum der hormonellen Umstellung umfasst mehrere Jahre und wird in vier Phasen unterteilt:

  • Prämenopause
  • Perimenopause
  • Menopause
  • Postmenopause

Während der Wechseljahre nimmt die Bildung der für den Zyklus wichtigen Geschlechtshormone Östrogen und Gestagen nach und nach ab, während die Gonadotropine FSH (Follikel-stimulierendes Hormon) und LH (luteinisierendes Hormon) ansteigen.

Die hormonellen Veränderungen können zu unterschiedlichen Symptomen im physischen und psychischen Bereich führen, die jedoch nicht spezifisch für das Klimakterium sind, sondern auch dem generellen Alterungsprozess zugeordnet werden können.

Studien, die sich mit menopause-assoziierten Symptomen während des Klimakteriums befassen, beschreiben für diesen Zeitraum folgende Prävalenz:

  • Ein Drittel der Frauen hat keine oder nur sehr geringe Beschwerden.
  • Ein Drittel leidet unter mäßigen Symptomen.
  • Ein Drittel gibt schwere Beeinträchtigungen durch die Symptome an.

Die Diagnose „klimakterische Beschwerden“ bedarf nicht per se einer labormedizinischen Überprüfung. Die S3-Leitlinie „Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen“ empfiehlt, bei über 45-jährigen Frauen die Peri- und Postmenopause zunächst aufgrund klinischer Parameter zu diagnostizieren und nur bei Frauen zwischen dem 40. und 45. Lebensjahr mit klimakterischen Symptomen (z. B. Hitzewallungen, Zyklusveränderungen) sowie bei Frauen unter 40 mit Hinweisen auf vorzeitige Ovarialinsuffizienz eine Bestimmung des FSH zur Diagnose der Peri- und Postmenopause durchzuführen.

Anhand der Bestimmung von FSH und 17-β-Östradiol lässt sich feststellen, ob sich ein Nachlassen der Ovarialfunktion ankündigt oder bereits manifestiert hat. Zudem kann mithilfe einer Analyse des Anti-Müller-Hormons (AMH) eine Bestimmung der ovariellen Funktionsreserve vorgenommen werden – unabhängig vom Zyklustag.

Während des Klimakteriums verändern sich nicht nur die Hormonwerte, sondern ggf. auch weitere Blutparameter. Beschwerden wie Hitzewallungen, nächtliches Schwitzen oder depressive Verstimmungen können auch andere Ursachen haben und auf Schilddrüsenfunktionsstörungen oder einen primären Hyperparathyreoidismus hinweisen. Zur weiteren Abklärung können unter anderem TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon) und der Calciumspiegel im Serum bestimmt werden.

Die Auswahl der Laboruntersuchungen sollte sich an der jeweiligen klinischen Fragestellung und den Beschwerden der Patientin orientieren. 

Ausgewählte Laborprofile zur differenzialdiagnostischen Abklärung:

  • Kleines bzw. großes Blutbild (BB)
  • Herzprofil: Kleines BB, Blutzucker, GOT, CK, LDH
  • Leberprofil, klein: Kleines BB, Bilirubin gesamt, GOT, GPT, γ-GT (GGT), AP (alkal. Phosphatase)
  • Leberprofil, groß: Bilirubin gesamt, Gesamteiweiß, Elektrophorese, GOT, GPT, GGT, AP (alkal. Phosphatase), GLDH
  • Fettprofil: Cholesterin, Triglyceride, HDL, LDL
  • Nierenprofil: Kleines BB, Kreatinin, Harnsäure, Harnstoff, Natrium, Kalium
  • Osteoporose-Status: Ostase, Calcium, Phosphat, Pyridinolin, Desoxipyridinolin, E2 (17-β-Östradiol), PTH (Parathormon), Vitamin D3 (25-OH)
  • Hormonprofil Frauen: LH, FSH, E2 (17-β-Östradiol), DHEAS, Progesteron, TSH
  • Schilddrüse: TSH, FT3, FT4, Anti-TPO, TAK, TRAK
  • Blutbildung: Großes BB, Eisen, Ferritin, Transferrin, Transferrinsättigung
  • Ovarielle Funktionsreserve: Anti-Müller-Hormon (AMH) 

Bei Fragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung:

Prof. Dr. Josef van Helden
Facharzt für Laboratoriumsmedizin
Immunologe, Klinischer Chemiker
E-Mail: J.vanHelden@wisplinghoff.de

Dr. Martina Wisplinghoff
Fachärztin für Laboratoriumsmedizin
E-Mail: M.Wisplinghoff@wisplinghoff.de 

Quellen:

Deutsche Menopause Gesellschaft e. V. (DMG): „Etwa 9 Millionen Frauen in Deutschland sind aktuell in den Wechseljahren – Hormonelle Umstellung in der Lebensmitte beginnt oft schleichend“. Pressemitteilung vom 9. November 2023. Online abrufbar unter: www.deutschesgesundheitsportal.de

Jokinen, K. et al. (2003): Experience of climacteric symptoms among 42–46 and 52–56-year-old women. Comparative Study. Maturitas. 46(3):199–205.

Sievert, L. L., Obermeyer, C. M. (2012): Symptom clusters at midlife: a four-country comparison of checklist and qualitative responses. Comparative Study. Menopause. 19(2):133–44.

Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG) (2020): S3-Leitlinie Peri- und Postmenopause – Diagnostik und Interventionen. AWMF-Registernummer 015-062. Stand: Januar 2020.

Meyer, S., Seifert-Klauss, V. (2018): Hormontherapie in der Peri- und Postmenopause. Dtsch Med Wochenschr. 143(22):1636–1647.