Während in Mitteleuropa überwiegend mildere bis moderat verlaufende Formen mit Nierenbeteiligung beobachtet werden, können bestimmte amerikanische Hantaviren wie das Andes- oder Sin nombre Virus schwere pulmonale Verläufe auslösen.
Die Inkubationszeit beträgt meist zwei bis vier Wochen, kann im Einzelfall jedoch variieren. In Deutschland treten Hantavirus-Infektionen saisonal gehäuft auf, insbesondere in den Frühjahrs- und Sommermonaten. Regionale Häufungen werden vor allem aus Baden-Württemberg und Bayern berichtet, vereinzelt aber auch aus anderen Regionen Deutschlands.
Erreger und Übertragung
Hantaviren gehören zur Familie der Hantaviridae innerhalb der Ordnung Bunyavirales. In Deutschland sind insbesondere das Puumala-Virus sowie das Dobrava-Belgrad-Virus relevant. Als natürliches Reservoir dienen vor allem Mäuse und andere Nagetiere, die das Virus meist symptomlos ausscheiden. In Deutschland ist die Rötelmaus Hauptvektor des Puumala-Virus; Brandmäuse sind als Vektoren mit dem Dobrava-Virus assoziiert, das vor allem in Ostdeutschland vorkommt. Die gewöhnliche Hausmaus (Mus musculus) spielt als Übertrager von Hantaviren in der Regel keine Rolle.
Eine Infektion des Menschen erfolgt überwiegend durch das Einatmen virushaltiger Aerosole oder kontaminierten Staubs, beispielsweise bei Reinigungsarbeiten in Kellern, Schuppen, Gartenhäusern oder Ställen. Auch Tätigkeiten im Freien mit möglichem Kontakt zu Nagetieren oder deren Ausscheidungen können das Infektionsrisiko erhöhen. Selten ist auch eine indirekte Übertragung über kontaminierte Hände oder Materialien möglich.
Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung spielt bei den in Deutschland vorkommenden Hantaviren keine relevante Rolle. Sie wurde bislang nur in seltenen Fällen bei bestimmten amerikanischen Virustypen beschrieben.
Klinik und Symptomatik
Die Erkrankung beginnt häufig mit plötzlich auftretendem Fieber, Kopf-, Muskel-, Bauch- oder Rückenschmerzen und ähnelt zunächst einem grippalen Infekt. Aufgrund dieser unspezifischen Symptomatik wird eine Hantavirus-Infektion nicht immer unmittelbar erkannt.
Im weiteren Verlauf kann es zu einer Beteiligung der Nieren mit eingeschränkter Nierenfunktion, Proteinurie sowie einem Anstieg der Serumkreatininwerte kommen. Selten treten schwere Krankheitsverläufe mit akutem Nierenversagen auf. Pulmonale Manifestationen werden vor allem bei Infektionen durch amerikanische Hantavirus-Typen beobachtet und sind bei den in Deutschland vorkommenden Virustypen selten.
Hämorrhagische Manifestationen mit Haut- oder Schleimhautblutungen treten insgesamt selten auf.
Labordiagnostik
Die Diagnose erfolgt über den serologischen Nachweis spezifischer Antikörper. Bereits zu Beginn der Symptomatik lassen sich häufig Hantavirus-spezifische IgM-Antikörper im Serum nachweisen, gefolgt von IgG-Antikörpern. Auch eine IgG-Serokonversion beziehungsweise ein signifikanter Titeranstieg kann diagnostisch wegweisend sein.
Aufgrund der kurzen Virämie ist die PCR nur innerhalb eines begrenzten Zeitfensters aussagekräftig und spielt in der Diagnostik eine untergeordnete Rolle.
Die labordiagnostische Abklärung unterstützt dabei, Hantavirus-Infektionen differenzialdiagnostisch von anderen fieberhaften Erkrankungen mit renaler Beteiligung abzugrenzen.
Therapie und Prävention
Eine spezifische antivirale Therapie steht derzeit nicht zur Verfügung. Die Behandlung erfolgt supportiv, beispielsweise durch Flüssigkeitssubstitution sowie bei schweren Verläufen durch intensivmedizinische Maßnahmen bis hin zur Dialyse.
Zum Schutz vor einer Infektion empfiehlt es sich, den Kontakt mit Nagetieren und deren Ausscheidungen möglichst zu vermeiden. Räume mit möglichem Nagetierbefall sollten vorsichtig und möglichst staubarm gereinigt werden, beispielsweise durch feuchtes Wischen sowie geeignete Schutzmaßnahmen bei Reinigungsarbeiten. Tote Nagetiere oder kontaminierte Materialien sollten nicht trocken entfernt werden; empfohlen wird eine vorherige Desinfektion der betroffenen Bereiche.
Für weitere Informationen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung:
Dr. med. Falitsa Mandraka, MME
Fachärztin für Innere Medizin und Infektiologie
Fachärztin für Innere Medizin
E-Mail: f.mandraka@wisplinghoff.de
Dr. med. Martin Platten
Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie
Facharzt für Innere Medizin
E-Mail: m.platten@wisplinghoff.de
Dr. med. Roger Grosser
Facharzt für Laboratoriumsmedizin
Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie
E-Mail: r.grosser@wisplinghoff.de