Anfang Mai 2026 meldeten die kongolesischen Behörden den Ausbruch eines hämorrhagischen Fiebers in der Provinz Ituri. Am 15. Mai 2026 wurde das Bundibugyo-Ebolavirus (BDBV) als Ursache identifiziert. Bis zum 28. Mai 2026 wurden in der Demokratischen Republik Kongo mehr als 1000 Verdachtsfälle registriert, darunter 121 laborbestätigte Fälle. Die Zahl der mutmaßlichen Todesfälle lag bei über 240. In Uganda wurden zunächst zwei importierte laborbestätigte Fälle in Kampala dokumentiert; neuere Meldungen berichten inzwischen von 7 bestätigten Fällen.
Erreger und Übertragung
Das BDBV gehört zur Familie der Filoviridae und zur Gattung Orthoebolavirus. Es wurde erstmals 2007 im ugandischen Distrikt Bundibugyo beschrieben. BDBV verursacht wie alle Ebola-Viren schwere Erkrankungen, die Fallsterblichkeit liegt jedoch mit etwa 30 bis 40 Prozent unter der des Zaire-Ebolavirus.
Als natürliches Reservoir dieser Zoonose gelten Fledertiere. Der genaue Übertragungsweg vom Tier auf den Menschen ist im aktuellen Ausbruch noch nicht abschließend geklärt. Die phylogenetische Analyse der bislang vorliegenden Genomsequenzen weist auf ein zoonotisches Spillover-Ereignis hin.
Die Mensch-zu-Mensch-Übertragung erfolgt durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten infizierter oder verstorbener Personen, darunter Blut, Urin, Speichel, Schweiß, Erbrochenes, Stuhl, Muttermilch und Sperma. Auch kontaminierte Gegenstände und Oberflächen können infektiös sein.
Infizierte Personen sind ab Symptombeginn infektiös. Eine aerogene Übertragung spielt nach aktuellem Kenntnisstand keine relevante Rolle.
Das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) stuft das Risiko einer Ausbreitung nach Europa derzeit als sehr gering ein. Einzelne medizinische Evakuierungen aus dem Ausbruchsgebiet in spezialisierte Sonderisolierstationen, unter anderem an der Charité Berlin, wurden durchgeführt.
Klinik und Symptomatik
Die Inkubationszeit beträgt 2 bis 21 Tage, meist 8 bis 9 Tage. Die Erkrankung ist gekennzeichnet durch einen typischerweise abrupten Fieberbeginn, ausgeprägtes Krankheitsgefühl, Kopf-, Muskel- und Bauchschmerzen sowie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Diese unspezifische Symptomatik ähnelt der anderer fieberhafter Erkrankungen wie Malaria und Typhus, was die frühzeitige Diagnosestellung erschwert. Im weiteren Verlauf können hämorrhagische Manifestationen wie Epistaxis, Hämoptysen, Schleimhaut- oder innere Blutungen auftreten. Schwere Verläufe gehen mit Multiorganversagen einher und können letal enden.
Labordiagnostik
Die Methode der Wahl bei akuter Erkrankung ist der direkte Erregernachweis mittels RT-PCR aus EDTA-Blut. Der serologische Nachweis virusspezifischer IgM- und IgG-Antikörper spielt in der frühen Akutdiagnostik nur eine untergeordnete Rolle.
Die Diagnostik erfolgt ausschließlich in spezialisierten Hochsicherheitslaboren unter entsprechenden Biosicherheitsbedingungen (S3-Labore bei begründetem Verdacht, S4-Labore bei bestätigter Infektion). Blutproben gelten als hochinfektiös und müssen unter Hochsicherheitsbedingungen transportiert und verarbeitet werden.
In Deutschland sind Verdacht, Erkrankung und Tod durch Ebola gemäß § 6 Abs. 1 IfSG sowie der direkte oder indirekte Nachweis gemäß § 7 Abs. 1 IfSG namentlich meldepflichtig.
Differenzialdiagnostisch sind bei Reiserückkehrenden aus dem Ausbruchsgebiet insbesondere Malaria, Typhus und andere virale hämorrhagische Fieber (z. B. Marburg-Fieber, Lassa-Fieber) zu erwägen.
Therapie und Prävention
Für BDBV stehen derzeit weder ein zugelassener Impfstoff noch eine spezifische antivirale Therapie zur Verfügung. Dies unterscheidet die aktuelle Situation vom letzten Ausbruch durch das Zaire-Ebolavirus, für das mit rVSV-ZEBOV (Ervebo®) seit 2019 ein wirksamer Impfstoff zugelassen ist.
Die Therapie erfolgt supportiv und umfasst Flüssigkeits- und Elektrolytsubstitution, die Behandlung von Sekundärinfektionen sowie bei schweren Verläufen intensivmedizinische Maßnahmen auf Isolierstationen.
Für medizinisches Personal ist eine persönliche Schutzausrüstung der höchsten Schutzstufe obligat. Das Auswärtige Amt empfiehlt derzeit, auf nicht notwendige Reisen in die betroffenen Regionen zu verzichten.
Für weitere Informationen stehen wir Ihnen gern zur Verfügung:
Dr. med. Martin Platten
Facharzt für Innere Medizin und Infektiologie
Facharzt für Innere Medizin
E-Mail: m.platten(at)wisplinghoff.de
Dr. med. Falitsa Mandraka, MME
Fachärztin für Innere Medizin und Infektiologie
Fachärztin für Innere Medizin
E-Mail: f.mandraka(at)wisplinghoff.de
Dr. med. Roger Grosser
Facharzt für Laboratoriumsmedizin
Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie
E-Mail: r.grosser(at)wisplinghoff.de