Im Jahr 2009 wurde in Deutschland bei 21.953 Müttern ein Gestationsdiabetes nachgewiesen, dies entspricht einer Quo-te von 3-4 Prozent aller Geburten. Die relative Häufigkeit des GDM ist in den letzten Jahren (2002 bis 2009) von 1,5 auf 3,4 Prozent angestiegen. Es werden als akute Folgen bei der Mutter erhöhte Risiken für Frühgeburtlichkeit, Schwanger-schaftshypertonus, Makrosomien, Sectiones sowie schwere postpartale Blutungen genannt, aber auch Harnwegsinfek-tionen, Candidainfektionen und Peridontitis. Innerhalb der nachfolgenden 10 Jahre zeigt ein nicht unerheblicher Anteil der GDM-Frauen eine gestörte Glukosetoleranz. Das Risiko für die Entwicklung eines manifesten Diabetes mellitus ist ebenfalls gegenüber Frauen ohne GDM erhöht. Auch das Wiederholungsrisiko eines GDM bei erneuten Schwanger-schaften ist gesteigert.1 Akute Folgen für das Kind ergeben sich infolge der Hyperglykämie als vermehrte Insulinsekretion, Einlagerung von Glykogen sowie Makrosomie (gesteigerte Adipogenese). Die Frühgeburtsrate sowie intrauteriner Fruchttod sind in Abhängigkeit der Stoffwechseleinstellungen erhöht. Postpartale Hypoglykämien, Hyperbilirubinämien, Atemstörungen, Polyglobulie oder Hypocalcämie sind beschrieben. Als Spätfolgen beim Kind steigt das Risiko für Übergewicht, Adiposi-tas, manifesten Diabetes mellitus, gestörte Glukosetoleranz, metabolisches Syndrom sowie einen erhöhten Blutdruck.1 Die Feststellung des GDM erfolgt über einen 75g oralen Glukosetoleranztest in der 24.-27. SSW. Die neuen Grenzwerte lauten: nüchtern ≥ 92mg/dl, nach einer Stunde ≥ 180mg/dl und nach zwei Stunden ≥ 153mg/dl im venösen Blutplasma. Die Diagnose eines GDM ist bereits mit einem bestätigten erhöhten Nüchtern-glukosewert möglich.1,4,5
| Zeitpunkt: 24. bis 27. SSW | Glukosegrenzwert neu IADPSG, Venöses Plasma | Glukosegrenzwert alt Carpenter / Coustan, Venöses Plasma |
|---|
| mg/dl | mmol/l | mg/dl | mmol/l | |
|---|---|---|---|---|
| nüchtern | ≥ 92 | 5,1 | 95 | 5,3 |
| nach 1 Stunde | ≥ 180 | 10,0 | 180 | 10,0 |
| nach 2 Stunden | ≥ 153 | 8,5 | 155 | 8,6 |
Spezielle Blutzuckermonovetten mit doppeltem Glykolyseschutz für venöses Blutplasma werden bereits eingesetzt. _______________________________________________________________________ Literatur:
- Leitlinie für Gestationsdiabetes mellitus 2011 der DDG Deutsche Diabetes-Gesellschaft und DGGG Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
- Mutterschutzrichtlinie – Beschluss des G-BA vom 15.12.2011
- Landon et al.: A Multicenter, Randomizend Trial of Treatment for Mild Gestational Diabetes, NEJM 361; 14 (Oct. 2009), p. 1339-1348
- HAPO-Studie 2008
- International Association of Diabestes and Pregnancy Study Groups (IADPSG) Guidelines 2010 GDM