Morbus Meulengracht; Gilbert-Meulengracht-Syndrom (OMIM 143500, OMIM 218800)
- Parameter
- Methode
- Material
- Einheit/Referenz
- Morbus Meulengracht; Gilbert-Meulengracht-Syndrom (OMIM 143500, OMIM 218800)
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DNA-Extraktion, PCR; Sequenzierung
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EDTA-Blut
2
ml
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siehe Befundbericht
UGT1A1-Gen OMIM191740
Erbgang
autosomal-rezessiv
Klinische Bedeutung
Bei Patienten mit dem Gilbert-Meulengracht-Syndrom ist die Enzym-Aktivität der UDP-Glukuronyltransferase (UGT1A1) reduziert, so dass es zur Ansammlung und gestörten Ausscheidung des unkonjugierten Bilirubins mit daraus folgendem erhöhten Bilirubin-Serumspiegel. Weitere Symptome sind gelegentlich Blähungen, unspezifische Bauchschmerzen und Hautausschlag, oftmals auch eine Unverträglichkeit von Alkohol und Nikotin, was reaktiv zu einer unmittelbaren Erhöhung der Bilirubinwerte im Serum führt. Klinisch bedeutsam wird die Erkrankung im Zusammenhang mit einem gestörten Metabolismus und Unverträglichkeit von einigen Medikamenten, wie z. B. Paracetamol oder Irinotecan, was zu Nebenwirkungen unterschiedlichen Ausmaßes führen kann. Hämolytische Erkrankungen, wie z. B. Favismus, Sichelzell-Anämie oder beta-Thalassämie, zeigen bei Patienten mit Gilbert-Meulengracht-Syndrom einen verstärkt ikterischen und allgemein verlängerten Verlauf. Der molekulare Basisdefekt ist bei über 80 % der Patienten eine Ausdehnung der TA-Repeatlängen in der A(TA)6-TAA Promotorsequenz des Gens für UGT1A1 (Uridindiphosphat-Glucuronosyltransferase 1A1), wodurch eine reduzierte UGT1A1-Expression und damit eine auf ca. 20-30 % reduzierte Glucuronidierung des Bilirubins einhergeht. Diese Sequenzvariante ist auch assoziiert mit der verlängerten neonatalen Hyperbilirubinämie bei gestillten Säuglingen. Erkrankte besitzen 2 mutierte Genkopien, während die Träger einer mutierten Genkopie (heterozygote Überträger) klinisch unauffällig sind. Geschätzte Prävalenz in der Bevölkerung: 5-10 %.
Indikation
Erhöhter Bilirubin-Serumspiegel
Anmerkung
Einverständniserklärung gemäß Gendiagnostikgesetz erforderlich; Angebot einer Genetischen Beratung
Mutation
TA-Repeatverlängerung in der A(TA)6-TAA Promotorsequenz des Gens für UGT1A1
Dauer der Untersuchung
1-3 Wochen