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Hämostaseologie

Hämostaseologie

Die Hämostase zeichnet sich durch ein Gleichgewicht zwischen pro- und antikoagulatorischen Faktoren aus. Daraus resultiert die Bereitschaft, eine Blutung rasch zu stillen, ohne dabei eine überschießende Gerinnungsaktivierung mit der Folge eines Gefäßverschlusses zu bewirken.

Ist dieses Gleichgewicht gestört, entwickelt sich eine thrombophile oder hämorrhagische Diathese. Die entsprechende Ursache wird – neben Anamnese und klinischer Untersuchung – anhand von Blutuntersuchungen abgeklärt. Die sich daraus ergebende Therapie/Prophylaxe wird ebenfalls anhand bestimmter Laborparameter überwacht.

Neben der Thrombozytenzahl und den Globaltesten wie Quick und PTT gibt es mittlerweile eine Vielzahl weiterer Gerinnungsparameter, deren Bestimmung für die Abklärung einer Gerinnungsstörung erforderlich ist. Sowohl die Diagnostik wie auch die Therapie von angeborenen und erworbenen Gerinnungsstörungen sind in den letzten Jahren immer komplexer geworden. So bedarf die Abklärung einer hämorrhagischen oder thrombophilen Diathese zunehmend hämostaseologische Spezialdiagnostik, ebenso die Therapie und das Medikamentenmonitoring bei entsprechenden Störungen.

Neben einem großen Spektrum an Gerinnungsuntersuchungen bieten wir Ihnen zusätzlich die Möglichkeit, für bestimmte Fragestellungen speziell zusammengestellte Profile auszuwählen. Das gesamte Spektrum ist im Folgenden abgebildet, empfohlene Analysen zur Abklärung einer Thrombophilie oder Blutungsneigung sind gesondert zusammengefasst. Weitere Profile (Quick-Verminderung, PTT-Verlängerung) helfen, rationale Diagnostik zu veranlassen. Die Bewertung der Untersuchungsergebnisse erfolgt durch hämostaseologisch erfahrene Kollegen, auch spezielle Fragestellungen können patientenbezogen beantwortet werden.

Wissenschaftliche Laborinformation: Hämostaseologie

Gerinnungssprechstunde zur Diagnostik und Beratung

Wir bieten Ihnen die Möglichkeit, Ihre Patienten mit Verdacht auf eine Gerinnungsstörung in unsere Gerinnungssprechstunde zur Diagnostik, Beratung und Therapie zu überweisen. 

Ihr Ansprechpartner

Dr. med. Markus Compes
Facharzt für Transfusionsmedizin, Hämostaseologie
Tel.: 0221 940 505 358
E-Mail: m.compes@wisplinghoff.de

Gerinnungsdiagnostik unter Therapie mit neuen direkten oralen Antikoagulantien

Neue direkte orale Antikoagulantien (NOAK/DOAK) werden bei den für diese Substanzen zugelassenen Indikationen – dem nicht valvulären Vorhofflimmern sowie der Therapie und Rezidivprophylaxe der tiefen Venenthrombose/Lungenembolie – zusehends häufiger eingesetzt anstelle von Vitamin-K-Antagonisten (Wirkstoff Phenprocoumon, zum Beispiel Marcumar®).

Bei der Labordiagnostik unter Therapie mit NOAK ist zu beachten, dass diese Medikamente in unterschiedlicher Ausprägung Gerinnungstests beeinflussen können. Wir für haben für Sie eine Laborinformation erstellt, die diesbezüglich einen Überblick bietet:

"Neue direkte orale Antikoagulantien – Empfehlungen für die Gerinnungsdiagnostik unter Therapie"

Therapiemonitoring

Parameter: Anti-Xa-Aktivität, Multiplate-Thrombozytenaggregometrie (Nachweis einer ASS-/Clopidogrel-Wirkung)
Material: Citrat-, Hirudin-Blut, Spezialmonovette

AntikoagulansLaborparameterMaterial
Unfraktioniertes HeparinAPTT Citrat
Cumarine (Marcumar)INR (Quick)Citrat
Niedermolekulare HeparineAnti-Xa-AktivitätCitrat
Danaparoid (Orgaran®) Anti-Xa-AktivitätCitrat
Fondaparinux (Arixtra®), FXa-InhibitorenAnti-Xa-AktivitätCitrat
Rivaroxaban (Xarelto®)modifizierte Anti-Xa-Aktivität (Spiegelbestimmung) Citrat
Dabigatran (Pradaxa®)Hemoclot-Test (Spiegelbestimmung)Citrat
Apixaban (Eliquis®)Aktivität (Spiegelbestimmung)Citrat
AggregationshemmerUntersuchungsmethodeMaterial
ASSMultiplate,
PFA-100,
Thromb.-Aggregometrie
Hirudin-Monovette,
PFA-Röhrchen,
3x Citrat

Clopidogrel

Multiplate,
Thromb.-Aggregometrie
Hirudin-Monovette,
3x Citrat

Thrombophilie

Als Thrombophilie wird ein Zustand bezeichnet, bei dem im Vergleich zur Normalbevölkerung eine erhöhte Neigung zu thromboembolischen Ereignissen (arterielle/venöse Thrombosen, Aborte) infolge einer Störung des Hämostasesystems besteht.
Ziel der Thrombophilie-Diagnostik ist die Ermittlung des individuellen Risikoprofils eines Patienten für thromboembolische Ereignisse/Rezidive. Anhand dessen kann unter Abwägung mit dem potentiellen Blutungsrisiko die Notwendigkeit und Dauer einer Antikoagulation zur Prophylaxe/Sekundärprophylaxe festgelegt werden.

Derzeit wird bei folgenden Indikationen eine Thrombophiliediagnostik empfohlen:

  • Erstmanifestation einer Thrombose oder Lungenembolie vor dem 45. Lebensjahr
  • rezidivierende venöse Thromboembolien und Thrombophlebitiden
  • Thrombosen an ungewöhnlicher Lokalisation
  • Familiäre Häufung thromboembolischer Ereignisse
  • Rezidivierende Aborte
  • ggf. vor geplanter Hormontherapie (HRT/Kontrazeption)


Eine Vielzahl von Parametern können je nach Fragestellung bestimmt werden, die empfohlene Basisdiagnostik für venöse Thromboembolien bzw. Aborte ist unter dem Risikoprofil Thrombophilie zusammengefasst.

Parameter & Material Thrombophiliediagnostik

Profil Thrombophilie

Parameter: APC-Resistenz, ggf. Faktor V Leiden Mutation, Prothrombin (F II-) Mutation, Antithrombin III (AT III), PC Protein C, PS Protein S, Faktor VIII, Lupusantikoagulans, APA Antiphospholipidantikörper, HCY Homocystein

Material: 3 x Citrat, 1 x EDTA, 1 x Serum

Für diese Untersuchungen ist eine Einverständniserklärung gemäß GenDG notwendig.

Hämophilie (Blutungsneigung)

Eine hämorrhagische Diathese ist gekennzeichnet durch das Auftreten von spontanen Blutungen (außer der Menstruation) oder solchen ohne adäquates Trauma. Es werden angeborene Formen mit lebenslanger Blutungsneigung von – häufig im Rahmen von anderen Erkrankungen - erworbenen Störungen unterschieden. Pathogenetisch liegt einer Blutungsneigung eine Störung der Thrombozyten, der plasmatischen Gerinnung oder der Gefäße zu Grunde.

Neben einer genauen Anamneseerhebung (Eigen-, Familien- und Medikamentenanamnese) können thrombozytäre oder plasmatische Störungen anhand von vielfältigen Laboruntersuchungen abgeklärt werden. Als empfohlene Basisdiagnostik für eine zeitnahe und kosteneffiziente Diagnostik haben wir Analyte unter dem Profil Blutungsneigung zusammengefasst.

Parameter & Material Blutungsneigung

Profil Blutungsneigung

Parameter: BB, Quick, PTT, FVIII, FIX, FXIII, PFA, von-Willebrand-Faktor

Material: EDTA, 2 x Citrat, PFA-Röhrchen (Spezialmonovette)

Weitere Profile

Profil Quickverminderung

Parameter: Einzelfaktorenanalyse (FII, V, VII, X, Fibrinogen)

Material: 2 x Citrat

Profil PTT-Verlängerung

Parameter: Einzelfaktorenanalyse (FVIII, IX, XI, XII) + Lupusantikoagulans + ggf. Von-Willebrand-Faktor

Material: 2 x Citrat

Hinweise zur Präanalytik

Hinweise zur Präanalytik

Material für Gerinnungsanalysen sollte schnellstmöglich ins Labor gelangen (z. B. Blutabnahme kurz vor Eintreffen des Kurierfahrers oder Patienten zur Blutabnahme ins Labor schicken).

Nicht exakt gefüllte Citrat-Röhrchen führen zu falschen Untersuchungsergebnissen.
Hämolyse stört alle Gerinnungsuntersuchungen.

Notfälle: Rücksprache mit Laborarzt, ggf. Sonderkurier

Rückfragen zu Untersuchungsmaterial, Tel.: 0221 940 505 154