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Formelsammlung

Niere: GFR aus der BIS (Berlin Initiative Study)

Neben der Kreatinin-Clearance findet aufgrund der einfacheren Handhabung die Berechnung der glomerulären Filtrationsrate (GFR) nach alleiniger Messung des Serumkreatinins zunehmend an Bedeutung.

In Anbetracht mehrerer extrarenaler Einflüsse auf die Kreatinin-Konzentration im Serum ist diese Berechnung jedoch nur als eine Schätzung der GFR zu werten. Auch werden aufgrund des sogenannten Kreatinin-blinden Bereichs nur deutliche Nierenfunktionsstörungen erkannt, da die Serumkonzentration von Kreatinin erst bei einer etwa 50-prozentigen Einschränkung der GFR den Referenzbereich überschreitet. Somit ist weder die isolierte Kreatininbestimmung im Serum noch die Berechnung der GFR anhand der Serum-Kreatininkonzentration geeignet, um eine Nierenerkrankung im Frühstadium anzuzeigen. Die Berechnung der endogenen Kreatinin-Clearance (siehe dort) ist in diesen Fällen vorzuziehen.

Die sensitivste Einschätzung der GFR beim Nierengesunden wird durch die Berechnung der Cystatin-C-abhängigen GFR ermöglicht, da dieses Protein aufgrund seiner biochemischen Eigenschaften noch zuverlässiger ermöglicht, eine beginnende Nierenerkrankung frühzeitig zu erkennen oder auszuschließen.

Die Cystatin-C-Serumkonzentration fließt neben der Serum-Kreatininkonzentration in die Berechnung der BIS-Formel ein, welche für die Schätzung der GFR bei Menschen von 70 Jahren und älter mit normaler bis moderat eingeschränkter Nierenfunktion empfohlen wird.

Bezogen wird das Ergebnis auf eine durchschnittliche Körperfläche von 1,73m². Die Formel wurde von einer Arbeitsgruppe an der Berliner Charité anhand eines Kollektivs von ca. 600 Probanden beiden Geschlechts und mit unterschiedlichen Vorerkrankungen (z. B. Diabetes mellitus, arterielle Hypertonie, kardiovaskuläre Vorerkrankungen) im Vergleich zur Iohexol-Clearance ermittelt.

Die Arbeitsgruppe entwickelte zwei Berechnungsmöglichkeiten: Neben Alter und Geschlecht werden Serum-Kreatininwert (BIS1) bzw. Serum-Kreatinin und Cystatin-C-Wert (BIS2) in die GFR-Abschätzung berücksichtigt. Insbesondere die BIS2-Formel ist zur Beurteilung der GFR bei älteren Patienten geeignet, da hier die Cystatin-C-Serumkonzentration berücksichtigt wird.  

BIS Basis (BIS1)

Kreatinin (S)  
Geschlecht  Frau      Mann 
Alter   Jahre

 


 ml/min/1.73m²




BIS mit Cystatin C (BIS2)

Kreatinin (S)  
Cystatin C (S)   mg/l
Geschlecht  Frau      Mann 
Alter   Jahre

 


 ml/min/1.73m²


Referenzbereiche (ml/min/1,73m²)

Alter Frauen Männer
18 - 29 72 - 100 94 - 140
30 - 39 71 - 121 59 - 137
40 - 49 50 - 102 76 - 120
50 - 59 50 - 98 67 - 109
60 - 69 45 - 75 54 - 98
70 - 79 37 - 61 49 - 79
ab 80 27 - 55 30 - 60

Bewertung

Grad der NiereninsuffizienzGFR (ml/min)Klinisches Bild
I> 90Unauffälliger Befund
II60 - 89Leichte funktionelle Nierenschädigung
III30 - 59Mittelschwere funktionelle Nierenschädigung
IV15 - 29Schwere funktionelle Nierenschädigung
V< 15Nierenversagen

Hinweis:
Die angegebene Formel bezieht sich auf Serum-Kreatininwerte, die mit einer Methode bestimmt wurden, die am ID-MS-Standard kalibriert wurde, und Cystatin-C-Werte, die auf Messungen mit dem internationalen Standard ERM-DA471/IFCC rückführbar sind. Beides ist in unserem Labor der Fall.

Literatur:
Schaeffner ES, Ebert N, Delanaye P et al. Two Novel Equations to Estimate Kidney Function in Persons Aged 70 Years or Older. Ann Intern Med. 2012;157:471-481