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Was ist Toxoplasmose?

Die Toxoplasmose gehört zu den so genannten Anthropozoonosen, das sind Krankheiten, deren Erreger sowohl Menschen als auch Tiere befallen können. Der Erreger Toxoplasma gondii ist ein Protozoon, ein einzelliger Parasit, der in verschiedenen Wirtsorganismen (Mensch, Säugetiere, Vögel) lebt. Im Wirtsgewebe bilden die Toxoplasmen Zysten, die massenhaft Einzelparasiten enthalten. Der Hauptwirt, die Katze, scheidet nach Infektion einige Wochen lang massenhaft Toxoplasma-Entwicklungsformen mit dem Kot aus. Diese werden nach einer etwa dreitägigen Entwicklung infektiös und können im Staub oder Erdboden monatelang überdauern. Die Infektion des Menschen erfolgt oral (durch den Mund), entweder durch Verzehr von rohem oder ungenügend erhitztem Fleisch eines befallenen Tieres, oder indem die Erreger z. B. bei Gartenarbeit o. ä. auf die Hände und von diesen in den Mund gelangen. Einmal im menschlichen Verdauungstrakt, gelangen die Toxoplasmen über Darmwandzellen in Lymph- und Blutgefäße und über diese in den gesamten Organismus (Generalisation). In diesem Stadium werden Antikörper gebildet, so dass weitere Infektionen verhütet werden (Immunität).

Krankheitsverlauf

Die Infektion verläuft in der Regel unbemerkt. Bei weniger als 50 % der Infizierten kommt es zu uncharakteristischen, grippeähnlichen Beschwerden, nur wenige zeigen ernsthafte klinische Symptome. Die Bedeutung der Toxoplasmose liegt in der Möglichkeit der Infektion eines ungeborenen Kindes. Diese kann im Stadium der Generalisation erfolgen, also bei einer Erstinfektion der Frau in der Schwangerschaft. Hierbei erreichen die Erreger auch die Plazenta und über diese das Kind.

Risiko in der Schwangerschaft

Ohne Behandlung der Mutter schätzt man das Infektionsrisiko für das ungeborene Kind im ersten Drittel der Schwangerschaft auf etwa 20 %, im zweiten Drittel der Schwangerschaft auf etwa 30 % und im letzten Drittel der Schwangerschaft auf etwa 60 %. Dabei ist jedoch das Risiko einer kindlichen Schädigung umso größer, je früher die Infektion erfolgt. In Mitteleuropa sind 30- 60 % der Frauen im gebärfähigen Alter seronegativ, d. h., sie haben keine Toxoplasma-Antikörper im Serum, sind also nicht gegen eine Toxoplasma-Infektion geschützt. In anderen europäischen Ländern sind deshalb Toxoplasmose-Vorsorgeuntersuchungen seit Jahren obligatorisch.

Vorsorgeuntersuchung

Ein positiver Antikörpertest vor der Schwangerschaft schließt eine Erstinfektion während einer späteren Schwangerschaft praktisch aus. Wenn erst während der Schwangerschaft ein positiver Antikörperbefund festgestellt wird, muss an Hand von Spezialuntersuchungen geklärt werden, ob eine frische (d. h. für das erwartete Kind möglicherweise gefährliche und damit behandlungsbedürftige) oder eine alte (latente) Toxoplasmoseinfektion vorliegt. Schwangere ohne Antikörper sollten zur Vermeidung einer Infektion bestimmte hygienische Vorsichtsmaßnahmen besonders beachten (Vermeidung von Katzenkontakt vor allem mit Katzenkot; kein Genuss von rohem oder halbgarem Fleisch; Tragen von Handschuhen bei Gartenarbeit etc.). Eine Schutzimpfung gibt es nicht. Ein negativer Antikörpertest sollte in der Schwangerschaft mehrfach kontrolliert werden, damit im Fall einer Serokonversion (= Testumschlag von negativ zu positiv als Hinweis auf eine Erstinfektion) rechtzeitig und gezielt behandelt werden kann.